Zukunftsrat Schule: ein Pilotprojekt

Im Schuljahr 2022/23 soll der Zukunftsrat Schule stattfinden – mit 90 ausgelosten Schüler:innen aus ganz Köln. Wir freuen uns sehr auf spannende Begegnungen und einen konstruktiven Dialog!

Aber auch die beste Idee ist nur so gut wie ihre Durchführung. Denn wie genau wird eigentlich ausgewählt, wer am Zukunftsrat teilnehmen kann? Welche Fragen sollen diskutiert werden? Welche pädagogischen Herausforderungen gehen damit einher? Wie sieht das Programm aus? Und was passiert mit den Ergebnissen? All das erklären wir hier.

In seinen Grundzügen basiert der Zukunftsrat auf dem Konzept des Bürgerrats, für den die wichtigsten Qualitätskriterien hier übersichtlich zusammengefasst sind.

Zukunftsrat Schule: Konzept

Programm

Welches Programm soll der Zukunftsrat haben?

Die Fragestellung für den Zukunftsrat steht noch nicht endgültig fest – dazu mehr unten im Abschnitt „Thema“.

Der Zukunftsrat findet an drei Sitzungstagen mit jeweils zwei Wochen Abstand statt. An diesen Tagen kommen 90 Schüler:innen verschiedener Schulen aus ganz Köln zusammen. Gemeinsam erarbeiten sie zu einer selbstgewählten Fragestellung ein gemeinsames Problemverständnis und formulieren Lösungsvorschläge. Diese werden anschließend dem Stadtrat überreicht – und die Teilnehmenden werden in der Folge aktiv bei der politischen Diskussion und Umsetzung ihrer Empfehlungen eingebunden.

Ein detailliertes Programm ist aktuell in Arbeit; hierzu sind wir mit der Stadtverwaltung, Schulen, Schüler:innen, Pädagog:innen und weiteren Akteuren im Gespräch. Im Prinzip aber wird im Zukunftsrat

  • die genaue Fragestellung gemeinsam definiert;
  • ein gemeinsame Regelwerk für die Zusammenarbeit erarbeitet;
  • größtenteils in Kleingruppen gearbeitet, begleitet von Moderator:innen;
  • der Austausch zwischen allen Teilnehmenden gefördert;
  • Recherche betrieben;
  • mit zu Besuch kommenden Expert:innen diskutiert;
  • ein gemeinsames Problemverständnis entwickelt;
  • ein „Realitäts-Check“ mit Verantwortlichen aus Politk und Verwaltung gemacht;
  • nach kompromissfähigen Lösungen gesucht;
  • zwischendurch regelmäßig Spiel, Spaß und Verpflegung angeboten; und
  • eine gemeinsame Empfehlung für den Stadtrat verabschiedet und feierlich übergeben.

Was nach einem anstrengenden Konferenzprogramm klingt, wird jedoch altersgerecht moderiert: mit flexiblen Pausen, individueller Betreuung, spielerischen Methoden sowie sprachlicher und inhaltlicher Hilfestellung verschiedener Art. Wichtig ist, dass die Schüler:innen zu jeder Zeit aus eigenem Antrieb am Programm teilnehmen; eine Präsenzpflicht, wie sie im Schulkontext zuletzt für Diskussionen gesorgt hat, soll es nicht geben.

Ein besonderer Schwerpunkt der Moderation liegt dabei auf der Inklusion aller Schüler:innen, denn die große Diversität im Zukunftsrat ist nur dann eine Stärke, wenn sie respektiert, aufgefangen und gehört wird. Dazu mehr unten im Abschnitt „Methodik“.

Losverfahren

Warum wird eigentlich nochmal gelost?

Das Losverfahren ist zentraler Bestandteil des Modells Zukunftrat. Es stellt sicher, dass die 90 Teilnehmer:innen einen ausgewogenen und vielfältigen Querschnitt der Schüler:innen Kölns bilden – und dass dabei auch gerade solche Stimmen gehört werden, die sonst selten zu Wort kommen.

Damit das Losverfahren nicht durch die Hintertür zu einer versteckten Quotenregelung wird und damit Schüler:innen nicht auf irgendwelche Aspekte ihrer Identität reduziert werden, sind nur einige wenige Filter vorgesehen:

  • Jeder der neun Stadtbezirke Kölns soll vertreten sein.
  • Jeder weiterführende Schultyp soll vertreten sein.
  • Jede teilnehmende Schule soll vertreten sein.
  • Eine Geschlechtergleichheit soll (annähernd) gegeben sein.

Die Teilnahme ist grundsätzlich freiwillig. Hierbei kann eine „repräsentative Verzerrung“ zu Ungunsten bestimmter Gruppen auftreten. Um dieser Verzerrung vorzubeugen, legen wir besonderen Wert auf die Ansprache der Schüler:innen im Vorfeld der Auslosung.

Da das Schulleben alle Schüler:innen unabhängig von ihrem Alter gleichermaßen betrifft, ist eine Altersgrenze nicht vorgesehen.

Wie funktioniert das Losverfahren?

Die Auslosung soll in einem zweistufigen Verfahren durchgeführt werden:

  • Im ersten Durchgang wird eine dreistellige Anzahl von Schüler:innen zufällig ausgelost. Aus Datenschutzgründen erscheint es dabei am besten, wenn die teilnehmenden Schulen diesen ersten Schritt selbst durchführen. Hierzu stellen wir einen detaillierten Leitfaden bereit.
  • Alle ausgelosten Schüler:innen werden persönlich benachrichtigt und zur Teilnahme eingeladen. In Absprache mit ihren Eltern können sie sich daraufhin zum Zukunftsrat anmelden.
  • In einer zweiten Losrunde werden aus allen Anmeldungen die finalen 90 Teilnehmer:innen ausgewählt. Diesen Schritt führt das Organisationsteam selbst durch. Wichtig: Die interessierten Schüler:innen, die hierbei nicht zur Teilnahme ausgelost werden, sollen sich auf verschiedenen Wegen dennoch beteiligen können – etwa bei der Themenfindung, siehe unten.

Bei diesem Konzept begegnet uns regelmäßig die Frage, warum eine erste Losrunde an Schulen überhaupt notwendig ist – schließlich wäre es doch viel einfacher, die Schüler:innen einfach über den Zukunftsrat zu informieren und allen die Anmeldung freizustellen.

Hier geht es um den bereits erwähnten Effekt der Selbstselektion. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bei Beteiligungsverfahren, die auf reiner Selbstanmeldung beruhen, eine (wenn auch ungewollte) Verzerrung zugunsten von Personen auftritt, die – aus verschiedenen Gründen – bereits die Erfahrung und das Selbstvertrauen haben, dass ihnen zugehört wird. Genau diese Selektion ist es aber, die der Zukunftsrat aushebeln möchte. Die erste Losrunde dient folglich dazu, Schüler:innen unabhängig von ihrer Biografie zur Teilnahme einzuladen.

Thema

Worüber wird gesprochen und wer entscheidet das?

Die Idee für den Zukunftsrat Schule ist mit aus einem konkreten aktuellen Anlass geboren: Im Februar 2022 haben sich Schulsprecher:innen bundesweit in einer Petition darüber beschwert, dass es in den vergangen zwei Jahren an Schulen viele Schwierigkeiten gegeben hat – Schüler:innen jedoch systematisch nicht an der Lösungsfindung beteiligt wurden. Auch Schüler:innen aus Köln haben diese Petition unterschrieben. Der Zukunftsrat Schule möchte einen Beitrag dazu leisten, diese von Schüler:innen geforderte Beteiligung zu ermöglichen.

Hiermit ist nicht gesagt, dass die konkreten Forderungen der genannten Petition einfach in den Zukunftsrat übernommen werden sollen. Ein Dialog auf der Ebene Kölns sollte sich mit den spezifischen Herausforderungen Kölner Schulen und Schüler:innen befassen; ebenso sollte er die Kapazitäten und aktuelle Planung seitens der Stadt im Auge behalten.

Daher sind für die Themenfindung folgende Schritte vorgesehen:

  1. Schüler:innen teilnehmender Schulen aus allen Stadteilen werden eingeladen, in einer interaktiven Umfrage zusammenzutragen, zu welchen Themen sie besonderen Gesprächsbedarf sehen. Dieser Schritt ist dem Losverfahren vorgeschaltet. Die Prioritäten, die sich hierbei ergeben, bilden die Basis für die schließliche Themenwahl.
  2. Auf dieser Grundlage soll mit der Stadtverwaltung und den schulpolitischen Sprecher:innen der Fraktionen besprochen werden, bei welchen Themen sie besonderen Handlungsbedarf sowie die prinzipielle Möglichkeit einer zeitnahen Bearbeitung sehen. Damit soll nicht der Stadt das Privileg eingeräumt werden, eine Vorentscheidung in der Themenfindung zu treffen. Allerdings wäre es im Sinne aller Beteiligten, wenn die im Zukunftsrat erarbeiteten Empfehlungen der Schüler:innen anschließend – etwa aufgrund mangelnder Kapazitäten bei der Stadt – nicht erst einmal in der Warteschleife landeten. Insofern dürften die Perspektiven von Politik und Verwaltung bei der Themenfindung zumindest zu berücksichtigen sein.
  3. Im letzten Schritt werden alle Schüler:innen, die sich infolge der ersten Losrunde angemeldet haben, zu einer abschließenden Abstimmung gebeten. Hierbei werden ihnen alle die Themen zur Auswahl gestellt, die sich in der Umfrage Köln-weit als relevant erwiesen haben und in kommunalpolitischer Kompetenz liegen.

Bei der Formulierung einer konkreten Fragestellung ist schließlich zu beachten, dass die sogenannte „Flughöhe“ stimmen muss. Einerseits ist damit gemeint, dass die Themen auch tatsächlich in der Kompetenz der Kommunalpolitik liegen; Diskussionen über Themen, bei denen das Land NRW zuständig ist, etwa beim Lehrplan, sind für dieses Projekt nicht vorgesehen. Andererseits ist nicht jede Art der Themenstellung für eine niedrigschwellige Beteiligung geeignet. Idealerweise soll es um Fragen gehen, die grundsätzlich für alle Beteiligten sowohl relevant als auch zugänglich sind.

Methodik

Wie ist der Zukunftsrat methodisch gestaltet?

Methodisch stellen sich zwei wesentliche Aufgaben:

  • Moderation des gesamten Arbeitsprozesses
  • Pädagogische Begleitung und Betreuung der Teilnehmer:innen

Der Moderation kommt eine besonders wichtige Rolle zu. Aufgrund der Diversität der Gruppe in Bezug auf Lebenswelten, Hintergrundwissen, diskursiver Übung und Wirksamkeitserfahrung ist es keine geringe Aufgabe, einen inklusiven und gleichzeitig produktiven Arbeitsprozess zu gestalten. Grundsätzlich wird in einem gelosten Bürgerrat Wert darauf gelegt, dass die Teilnehmer:innen die Gelegenheit erhalten, sich gegenseitig kennenzulernen und zu verstehen, was sie miteinander verbindet, sowie eine gemeinsame Vorstellung von ihrer Aufgabe und der Thematik zu entwickeln, bevor sie sich in eine inhaltliche Auseinandersetzung begeben. Wichtig ist ebenfalls, dass gemeinsame Regeln für die Zusammenarbeit aufgestellt werden, mit denen sich Alle identifizieren können. Auf dieser Grundlage soll das Tagesprogramm abwechslungsreich und interaktiv gestaltet werden. Ein detailliertes Moderationskonzept ist aktuell in Vorbereitung.

Ebenso relevant wie der eigentliche Arbeitsprozess sind die Rahmenbedingungen, die den Schüler:innen ausreichend Orientierung, Sicherheit und Vertrauen bieten sollen. Dieser Rahmen besteht nicht nur aus dem Programm selbst, sondern auch einer adäquaten Location sowie professionellem pädagogischen Personal, das insbesondere auf Diversität und verschiedene Formen der Diskriminierung sensibilisiert ist.

Für die Weiterentwicklung beider Konzepte sind wir aktuell auf der Suche nach kompetenten Kooperationspartnern und freuen uns über Interesse an einer Zusammenarbeit.

Anregungen

Lob, Kritik oder Vorschläge?  

Über Feedback freuen wir uns jederzeit! Am einfachsten geht das über eine Email an info@zukunftsrat.koeln oder unser Kontaktformular.